„Let`s make Orwell fiction again“

Über die Möglichkeit der Aufwertung journalistischer Medien in polarisierten Zeiten

"An die Zukunft oder die Vergangenheit, an eine Zeit, in der die Gedanken frei sind, in der sich die Menschen voneinander unterscheiden und nicht allein leben – an eine Zeit, in der es Wahrheit gibt und das Geschehene nicht ungeschehen gemacht werden kann: Aus dem Zeitalter der Gleichförmigkeit, aus dem Zeitalter der Einsamkeit, aus dem Zeitalter des Großen Bruders, aus dem Zeitalter des Doppeldenk – Grüße." (Orwell 1984, 34f.)

Am Sonntag, den 16. November 2025, haben wir im literarischen Café über das Thema "Informationszugang als Menschenrecht: Make Orwell fiction again – was soziale und journalistische Medien damit zu tun haben" gesprochen. Den Titel der Nachbesprechung habe ich, wie häufig, modifiziert, worauf ich dieses Mal gleich zu Beginn explizit verweisen möchte. Hierin findet sich bereits eine Bilanz, eine Aufforderung, wenn man so will, oder aber, um es etwas sanfter auszudrücken, eine Ermutigung. Damit kein Missverständnis entsteht – ich sehe allen Grund zur Sorge und bin ausserdem der Überzeugung, dass es v.a. politischen Willen braucht, um die Probleme unserer Zeit zu lösen. Dazu gehört die angemessene Regulierung des Internets und der sozialen Medien – auch und v.a. zum Schutz von Kindern und Jugendlichen –, ebenso wie die Stärkung journalistischer Medien und einer freien Presse. Es gibt andere Probleme, aber die sollen uns an dieser Stelle nicht aufhalten. Die Ermutigung soll darin bestehen, dass wir uns wehren können, ja wehren müssen. Dabei ist dieser Texte womöglich genauso sinnlos, wie alternativlos. Diejenigen, die ihn lesen, sind in erster Linie die Teilnehmenden des literarischen Cafés, die ohnehin schon wach sind. Ist es also ein Widerspruch einen sinnlosen wie alternativlosen Text zu schreiben? Nun, es sind wohl gerade diese Ambiguitäten die es (wieder) auszuhalten gilt – auch in diesem Text.

An manchen Tagen möchte ich verzweifeln, an anderen erfreue ich mich der Tatsache, dass es doch noch Menschen gibt, die geistig gesund sind. Das allein könnte eine Essenz aus Orwells 1984 sein: "Das Erbe der Menschheit bewahrte man nicht dadurch, dass man sich Gehör verschaffte, sondern dadurch, dass man geistig gesund blieb" (34), heisst es an einer Stelle.

Am 18. November, pünktlich zum "Europäischen Gipfel zur digitalen Souveränität 2025" fielen weite Teile des Internets aus. Weltweit und auf mehreren Websites. "Massive Störung bei Cloudflare - X, ChatGPT und PayPal teilweise nicht erreichbar", meldet Focus am Dienstagnachmittag um 14:47Uhr. In den sozialen Medien kursieren fast zeitgleich Bemerkungen wie "Sinds die Russen?", "Wann meldet ein deutscher Innenminister, dass es Russland war?" oder "just another classic cloudfare moment". (Quellen: LinkedIn und Bluesky) Zum einen zeigt dies die Abhängigkeiten, um die es auf dem Digitalgipfel gehen sollte. Zum anderen zeigt es aber auch, dass die Bereitstellung von Informationen längst nicht mehr journalistischen Medien vorbehalten ist. Ist das ein Problem? Könnte man doch argumentieren, dass genau das demokratisch ist. Das Problem dabei ist nicht, dass Nutzende sozialer Medien Informationen verbreiten, sondern die Gewichtung dieser Information, die fast ausnahmslos auf Behauptungen beruhen. Schuld daran sind nicht allein die Nutzenden selbst, sondern u.a. auch der durchaus problematisch zu wertenden Einsatz von KI. (Vgl. bpb - Bundeszentrale für politische Bildung)

"Der Beweis ist entleert."

Einer dieser Sätze, die bei den Vorbereitungen auf das vergangene literarische Café fielen und genau dieses Problem treffen. KI kreiert Inhalte und damit Informationen, die wenig bis gar nichts mit der Realität zu tun haben und das in einer rasanten Geschwindigkeit. Es ist kaum mehr unterscheidbar, ob eine Abbildung oder ein Video "echt" oder KI-generiert ist. Das gleiche gilt für Texte. Regulierungen, wenn es diese denn gibt, kommen viel zu spät. Was in Orwells 1984 noch menschengemacht war – nämlich Realitätskontrolle – übernehmen heute KI-gesteuerte Programme. Auch wenn es (theoretisch) positive Lesarten der Entwicklung von KI gibt – dieser Text ist nicht der Ort dafür. Klammer auf – wir werden uns in einem der kommenden Treffen näher mit KI beschäftigen, dort wäre dann, je nach Entwicklungsstand bis dahin, auch eine positive Lesart denkbar – Klammer zu.

Nun war das Thema des literarischen Cafés eben nicht Künstliche Intelligenz, sondern das Recht auf Zugang zu Information. Dem soeben Beschriebenen gegenüber scheint es fast naiv, oder sagen wir nostalgisch, sich dieses Recht einmal genauer anzuschauen. Es erscheint wie aus einer anderen Welt. Und tatsächlich: Das KI-Zeitalter ist längst eingetreten und ist im Begriff das Computerzeitalter abzulösen. (Vgl. Uhle 13) Das Recht hinkt auch hier hinterher. Schauen wir uns dieses Recht dennoch einmal an.

Freier Informationszugang als Menschenrecht

Wie die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Caroline Dahl, die ich am Sonntag als Co-Moderatorin für das literarische Café gewinnen konnte, in ihrer Einführung mit Rekurrenz auf Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt I) verlautete, hat jeder Mensch das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäusserung. Dazu gehört das Recht, unabhängig von Staatsgrenzen, Informationen und Ideen frei und ungehindert zu suchen, und über alle Medien zu empfangen und zu verbreiten. Kurz: Freier Zugang zu Informationen ist ein Menschenrecht. Dieses Recht ist seit 1948 in Kraft.

Rechte aber bringen naturgemäss Pflichten mit sich. So auch dieses. Dazu gehört "die Achtung der Rechte und des Rufs anderer" sowie "für den Schutz der nationalen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung (ordre public), der Volksgesundheit oder der öffentlichen Sittlichkeit" Sorge zu tragen. Da mit der Verbreitung dieser freien Information zur Zeit der Verabschiedung des UNO-Pakts I noch ausschliesslich journalistische und publizistische Medien sowie die Kultur als Quelle von Information gemeint waren, waren v.a. die Pflichten und die Verantwortung, die der Zugang zu Information mit sich brachte auch auf diese konzentriert.

Heute, im angebrochenen KI-Zeitalter, ist das Ganze etwas komplizierter. Nicht, dass es mit der Einführung dieses Rechts keine Propaganda oder Desinformationen mehr gab oder auch vorher nie gegeben hätte – die Einführung des Rechts auf freien Zugang zu Information, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) selbst, entstanden ja erst als Reaktion auf die Gräuel des Zweiten Weltkriegs und den nationalsozialistischen Terror, damit verbunden auch Propaganda und Desinformation. Die Desinformations- und Propagandamaschinerie hat jedoch im Internetzeitalter, vielmehr noch im KI-Zeitalter, eine ganz andere Dimension eingenommen und es ist viel schwerer geworden dieser beizukommen. Faktenchecks werden mit der rasanten Zunahme an KI-generierten Inhalten nahezu verunmöglicht. Traditionelle journalistische Medien haben es schlicht schwer Schritt zu halten.
Hinzu kommt, dass die Pflicht "die Rechte anderer" zu achten in den sozialen Medien fast vollkommen verschwunden zu sein scheint. Das Internet aber ist kein rechtsfreier Raum. Es gibt menschenrechtskonforme Regulierungen, diese hinken "jedoch in vielen Bereichen der technologischen Entwicklung hinterher."

Daneben haben sich journalistische Medien teilweise dem kommerziellen Druck gebeugt, der durch die Abwanderung von Werbung und Inseraten ins Internet und zu sozialen Medien entstanden ist. Einnahmequellen journalistischer Medien generieren sich traditionellerweise aus Leser*innen und Werbung. Ein Fehler, den einige journalistische Medien laut Caroline Dahl gemacht haben, ist soziale Medien kopieren zu wollen. Der Druck, dem journalistische Medien sich im Internet und in den sozialen Medien ausgesetzt sehen, besteht v.a. darin, möglichst viele Klicks und lange Betrachtungszeiten zu generieren. Insbesondere in den sozialen Medien wird dies mit Beiträgen erreicht, die die Aufregung und Sensationslust fördern. Die sozialen Medien haben es nicht nur vorgemacht, sondern auch diktiert, wie Caroline Dahl sagt.

Soziale Medien sind zudem i.d.R. kostenlos, d.h. sie kosten kein Geld - ausser natürlich Gebühren für die allgemeine Internutzung. Allerdings zahlen Nutzende aus meiner Sicht einen viel höheren Preis: die Preisgabe persönlicher Daten, die z.T. ungefragt für das Training von KI-Modellen genutzt werden. Werbeeinnahmen fliessen zudem an Google oder Facebook und nicht an Zeitungen oder Onlinemedien. (SZ, 14.02.2022) Hinzu kommt die Polarisierung, die in sozialen Medien zu beobachten ist, und die auch nicht von ungefähr kommt. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt wie die Algorithmen im digitalen Wahlkampf auf den Plattformen TikTok, YouTube, Instagram und X vor allem junge Menschen beeinflusst.

Zum Hashtag #makeorwellfictionagain, um den es am Sonntag im literarischen Café auch ging – auch dieser ist nicht frei von Polarisierung. Dieser entstand Mitte der 2010er Jahre in den sozialen Medien, zur Zeit von Donald Trumps erster Amtszeit. Der Hashtag selbst bezieht sich auf die Romane 1984 (1949) und Animal Farm (1945) von George Orwell, aus ersterem haben wir am Sonntag gelesen. In beiden geht es um Gewaltherrschaft, Totalitarismus und die nahezu vollständige Kontrolle über Mensch oder Tier, darunter auch die Kontrolle über das Narrativ von Wahrheit und Wirklichkeit.

Allerdings kursieren in den sozialen Medien auch hierzu verschiedene Lesarten. Die einen sehen die Bedrohung im zunehmenden Rechtsruck und totalitären Tendenzen von rechts. Die anderen sehen diese in der woken Ecke und einer angeblichen Bevormundung durch gendergerechte Sprache oder eine zuweilen zu strikte Coronapolitik. Man suche hier nur nach dem Hashtag und mache sich selbst ein Bild. Diese kurze Bestandsaufnahme ist zugegebenermassen sichtlich vereinfacht, veranschaulicht jedoch eines der Probleme, die mitunter durch soziale Medien erst befördert werden: Vereinfachung sowie verzerrte Darstellungen der Wirklichkeit oder schlichtweg die Verbreitung von Falschinformationen. Aber: auch vereinfachte, verzerrte oder falsche Informationen sind Informationen. In 1984 heisst es:

"wenn alle anderen die Lüge akzeptierten, die die Partei verbreitete – wenn sämtliche Aufzeichnungen dieselbe Geschichte erzählten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde zur Wahrheit. 'Wer die Vergangenheit kontrolliert', lautete die Parteiparole, 'kontrolliert die Zukunft – wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.' Und doch war die Vergangenheit, die ihrer Natur nach wandelbar war, nie verändert worden. Was immer heute wahr war, blieb wahr bis in alle Ewigkeit. So einfach war das. Man brauchte lediglich eine nicht abreißende Serie von Siegen über das eigene Erinnerungsvermögen. 'Realitätskontrolle' nannten sie es; auf Neusprech: 'Doppeldenk.'" (42)

Elon Musk hätte seine wahre Freude. Mit seiner neuen Online-Enzyklopädie "Grokipedia", die erst kürzlich (im Oktober 2025) auf den Markt gekommen und die "alles Mögliche" ist – "nur nicht unvoreingenommen", wie in der Tagesschau vom 28.10.2025 konstatiert, könnte uns in den Sinn kommen, dass das Zeitalter der "Realitätskontrolle" nun endgültig eingeleitet ist. Im zitierten Artikel der Tagesschau wird am Beispiel einer Gegenüberstellung eines Eintrags zum "Sturm auf das Kapitol" in Grokipedia und Wikipedia gezeigt, wie die Wahrnehmung dieses Ereignisses verzerrt, oder anders: kontrolliert werden soll. Allein dieses Beispiel sollte zu denken geben. Im Anhang zu 1984 heisst es, dass "die endgültige Einführung von Neusprech erst für das Jahr 2050 festgelegt worden war." (357) Als Literaturwissenschaftlerin muss ich an dieser Stelle für die Literatur und deren Inhalte werben und möchte einen Appell aussprechen diese zuweilen auch etwas ernster zu nehmen, wenngleich Orwell selbst sicherlich nicht im Sinn hatte eine Anleitung für eine mögliche Zukunft zu schreiben.

Zu Beginn des literarischen Cafés hatte ich eine düstere und eine lichtere Phase der Diskussion angekündigt. Nun könnte man meinen, dass wir uns in düsteren Zeiten auch ausschliesslich in düsteren Phasen aufhalten. Das aber würde der Realität bei Weitem nicht gerecht. Zudem halte ich lösungsorientierte Ansätze nicht nur für richtig, sondern für elementar. Ich beginne also mich wieder der Tatsache zu stellen, dass es noch geistig gesunde Menschen gibt.
Darum finden sich in den Quellenangaben zusätzlich Links, die Anregungen und Handlungsoptionen aufzeigen. Möglicherweise erscheinen diese Lösungen klein und wenig bedeutsam. Was aber wäre die Alternative? Ich glaube, dass wir uns diese Frage immer wieder bewusst stellen müssen.

Im Nachwort zu Orwells 1984 heisst es:

"In unserer unübersichtlichen Welt gibt es bestimmte Politiker, die versuchen, Deutungshoheit über Ereignisse zu erlangen – anhand von alternativen Fakten wollen sie ihre eigene Ausdeutung dieser Ereignisse als ihre Wahrheit darstellen. Daher kommt es darauf an, eine wachsame Öffentlichkeit zu haben. Vielleicht ist genau das der Hoffnungsschimmer: dass sich eine wachsame Öffentlichkeit Gehör verschafft. So schrecklich die Vision eines allmächtigen Staates ist, Orwells Dystopie 1984 ist in erster Linie als Warnung zu verstehen, als Weckruf, damit man sich rechtzeitig all den Kräften widersetzt, die eine vollständige Kontrolle über den Menschen zu erlangen suchen. Der Ausblick in Orwells Roman fällt düster aus, der Mensch an sich ist jedoch in der Lage, Wandel herbeizuführen. Erich Fromm betont, dass der Mensch trotz der Entfremdung von seiner Umwelt auf der Suche nach einer neuen Harmonie ist: 'Die meisten Tatsachen scheinen darauf zu weisen, dass er [der Mensch] das Robotertum wählen wird, und das bedeutet auf lange Sicht Pathologie und Zerstörung. Und doch sind alle diese Tatsachen nicht stark genug, um den Glauben an die Möglichkeiten der Vernunft, den guten Willen und die innere Gesundheit des Menschen zu zerstören. Solange wir noch an Alternativen zu denken vermögen, sind wird nicht verloren.'" (363)

Natürlich, und auch das möchte ich nochmals deutlich machen, kann und darf die Verantwortung nicht bei dem Einzelnen liegen. Dafür ist die Machtkonzentration bei den sogenannten "Big Five" – Microsoft, Apple, Alphabet (Google, YouTube), Meta (Instagram, Facebook, WhatsApp) und Amazon, wahlweise lassen sich noch Nvidia und Tesla hinzuzählen ("magnificent seven") – ohnehin zu gross. Europa muss sich, was Technologien insbesondere im digitalen Bereich betrifft, frei und unabhängig von China und den USA machen. Das betrifft nicht nur den Zugang zu Informationen, sondern v.a. den Schutz unserer Daten. Die technischen Möglichkeiten dafür sind jedenfalls vorhanden, das betonen Expert*innen immer wieder. Das Stichwort also lautet: Autarkie. Inwieweit der politische Wille hierzu vorhanden ist? Darüber liesse sich diskutieren. Die Nutzung der umstrittenen Software Palantir von Peter Thiel – einem Anhänger von Trump und J.D. Vance – in Deutschland sowie Milliardeninvestitionen von Google in Deutschland und der Schweiz lassen daran zweifeln, obwohl auch klar sein muss, dass ein Paradigmenwechsel Zeit kostet und in einer Demokratie, in der wir ja glücklicherweise noch leben, auch viele Gespräche, Gipfel und damit Geduld erfordert. Der Europäische Gipfel zur digitalen Souveränität, den ich bereits zu Beginn erwähnte, schafft zumindest Aufmerksamkeit für diese Themen. Über den Ausgang dieses Gipfels und den damit verbundenen Hoffnungen oder auch Enttäuschungen darf sich jede*r selbst ein Bild machen.

Angesichts der rasanten Entwicklungen, die in den kommenden Jahren kaum an Beschleunigung einbüssen werden, scheinen wir aber gerade eines nicht zu haben: Zeit. Trotzdem, nein gerade deswegen kann und darf es nicht die Lösung sein eine Politik- und Medienverdrossenheit an den Tag zu legen. Diese abzulegen muss unser aller gemeinsamer Aufgabe sein. Um nochmals auf journalistische Medien und Informationszugang zurückkommen: Wir haben allen Grund zur Sorge. Die Unabhängigkeit journalistischer Medien und unsere Freiheiten, die damit verbunden sind, sind längst nicht selbstverständlich, sondern müssen verteidigt werden. Unabhängige Medien sind kein "nice to have", sondern schlicht eine Notwendigkeit in einer funktionierenden Demokratie. Wir müssen nicht erst in die USA blicken, um zu sehen, wie sehr diese angegriffen werden. Darum: Für das Recht auf Zugang zu Information als "empowering right" einzustehen und eine Aufwertung journalistischer Medien einzufordern, ist nicht nur nötig, sondern auch alternativlos. Genauso wie die dringend notwendige und angemessene Regulierung des digitalen Raums. Es mutet fast naiv an zu betonen, wie wichtig Zeit für guten Journalismus ist. Gleichzeitig ist diese ebenso wichtig, um informierte Entscheidungen zu treffen. Dies ist schlicht unmöglich nur aufgrund von Feeds und Kurznachrichten, die möglicherweise nicht einmal echt sind.

Dies ist kein Appell stehenzubleiben und uns die "gute alte Zeit" herbeizusehnen. Ja, auch ich verliere mich zuweilen in nostalgischen Fantasien an ein analoges Zeitalter. Was ich mir wirklich wünsche, ist ein Zeitalter, in der der digitale Raum menschenwürdiger ist, soziale Medien als Sprungbrett für echte Begegnungen genutzt werden und journalistische Medien an Vertrauen gewinnen, sei es als Printmedium oder online. Das ist nicht nur nötig, es ist auch möglich.

Ich hatte zu Beginn von Ermutigung und später von lichterer Phase gesprochen. Hier kommt noch eine simple, anstrengende, aber doch notwendige. Für all jene, die meinen Texten schon länger folgen – es ist nicht das erste Mal, dass ich dies zitiere und wird vermutlich auch nicht das letzte Mal sein. Das Zitat stammt von Lea Ypi aus dem Nachwort ihres Romans Free (2021): "we never loose our inner freedom: the freedom to do what is right." (305) Was das sein kann, findet sich in Links in den Quellenangaben und hoffentlich in weiteren guten Gesprächen.

Wie immer danke ich allen für die anregende Diskussion und die Bereitschaft neugierig und wachsam zu bleiben. Insbesondere danke ich Caroline Dahl für die vorzügliche Zusammenarbeit. Es war mir eine grosse Freude.

Nun haben wir in diesem Jahr wieder einige schwere, nicht selten tiefgründige Diskussionen hinter uns und so möchte ich das Jahr am 21. Dezember, so kurz vor Weihnachten, mit einem etwas leichtfüssigeren, deshalb nicht minder tiefgründigen Event mit euch zusammen abschliessen. Zum zweijährigen Jubiläum des literarischen Cafés lese ich aus eigenen, noch unveröffentlichten Texten. Ján Kubiš wird mich dazu auf dem Akkordeon begleiten – ein Instrument, das mich an Heimat erinnert. Ich freue mich auf euch.

Mit solidarischen Grüssen
Eure Anne

Weitere Infos, Termine & Anmeldung hier.

Text: © Anne Bendel unter Berücksichtigung der Notizen von Caroline Dahl, Nachbesprechung Das Literarische Café vom 16. November 2025

Image: unsplash

Literatur:
George Orwell: 1984. Stuttgart: Reclam, 2023 (1949). (dt. Ausgabe)

Christian Uhle: Künstliche Intelligenz und echtes Leben. Philosophische Orientierung für eine gute Zukunft. Frankfurt a. Main: S. Fischer, 2024.

weitere Quellen / Empfehlungen [unbezahlte Werbung]:
https://www.goeuropean.org/ (Alternativen zu Applikationen grosser Tech- und Internetkonzerne und weitere Produkte aus Europa)

https://www.republik.ch/2025/11/10/der-traum-von-der-digitalen-unversehrtheit (Zur Frage, wie wir unabhängig(er) von Big-Tech werden)

https://protonvpn.com/?utm_campaign=ch-all-2c-vpn-gro_src-g_acq-pmax&utm_medium=src_ad&utm_source=bing.com&utm_content=1337008628304310&utm_term=protonvpn.com (Cloud-Service, VPN und mehr aus der Schweiz)

https://threema.com/de (Alternativer Messenger zu WhatsApp und Meta, ebenfalls aus der Schweiz)



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